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Akrobat der Baumwipfel

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021.02.10|Rosenheim LandFacebook
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Auch wenn die Tierartenkenntnis in unserer modernen Welt vielfach sehr zu wünschen übrig lässt - ein Wildtier kennt doch jedes Kind: das Eichkatzerl.

Das schmeckt: Eichkatzerl mit Fichtenzapfen in luftiger Höhe.

© OVB

Das schmeckt: Eichkatzerl mit Fichtenzapfen in luftiger Höhe.

Ob braun, fast schwarz oder rot gefärbt mit weißem Bauch, immer ist es unser heimisches Eichhörnchen (Sciurus vulgaris). Sogar in einem Wurf können rot- und schwarzgefärbte Exemplare vorkommen. Bei uns in den Bergen überwiegen die braun-schwarzen Färbungen. Im Winter hat das Eichkatzerl ein besonders dichtes Haar. Typisch sind dabei seine langen Ohrpinsel und sein buschig behaarter Schwanz, der von der Gesamtlänge von 45 Zentimetern fast die Hälfte ausmacht. Er wird zum balancieren, steuern und - wenn nötig - bei einem Sprung in die Tiefe als Fallschirm verwendet. Die langen, sichelförmig gebogenen Krallen an den Beinen schaffen die Voraussetzung, dass es sich selbst an den glattesten Baumstämmen mit unglaublicher Gewandtheit und Schnelligkeit bewegen kann. Stammabwärts klettert es mit absoluter Sicherheit immer mit dem Kopf nach unten, eingehakt mit allen Krallen seiner Pfoten (vorne jeweils vier, hinten jeweils fünf).

Nur der Baummarder kann da mithalten. Für ihn ist das Eichkatzerl das Hauptbeutetier. Hat er erst die Verfolgung aufgenommen von Krone zu Krone, von Baum zu Baum, stammab, stammauf, endet es oft tödlich für den kleinen Nager.

Der am besten ausgebildete Sinn des Eichhörnchens ist das Auge, im Besonderen das Bewegungssehen. Das ist sehr wichtig, denn auch vor Uhu und Habicht ist das Eichkatzerl nicht sicher. Da die drei Hauptfeinde aber eher zu den Kulturflüchtern zählen, haben die Eichkatzl in Parks und Städten weniger zu befürchten als die in unseren Wäldern. In Parks stellen dafür die Katzen ein nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotenzial dar.

Die sehr lernfähigen Nager kommen mit der Nähe des Menschen äußerst gut zurecht, nützen alle menschlichen Nahrungsquellen vom beschickten Vogelhaus bis zur Fütterung in den Parks, in denen sie handzahm den Besuchern das mitgebrachte Futter entlocken.

Wenn ich auf dem Hochstand sitze und auf Reh oder Rotwild warte, wird die Zeit manchmal kurzweiliger, wenn ich Besuch von einem Eichkatzerl bekomme. Meist ist es ein "tschuk, tschuk, tschuk", das mich aufmerksam macht. Heftig mit dem Schwanz hin- und herschlagend, unsicher abwägend und hin- und hergerissen zwischen Neugier und Angst, ob von meinem Hund oder mir irgendeine Gefahr ausgehen könnte. Noch schöner ist es natürlich, wenn es uns nicht bemerkt und es sich völlig vertraut benimmt. Dann animiert es oft Artgenossen zu spielen, indem es mit angelegtem Schwanz auf allen vieren in die Höhe hopst und sich dann urplötzlich eine wilde Verfolgungsjagd rund um den Hochstand entwickelt.

Auch im Winter kann man dem Eichkatzerl begegnen. Es hält keinen Winterschlaf, hat es doch für die nahrungsärmere Zeit vorgesorgt und Samen und Früchte versteckt oder vergraben. Es sucht mit erstaunlichen Ortskenntnissen und guter Nase in kargen Zeiten diese Plätze auf, um seinen Hunger zu stillen. Zusätzlich sucht es, auch bei tiefen Minus-Temperaturen, täglich mindestens ein paar Stunden nach anderweitiger Nahrung. Der Eichkatzlkobel wird nur dann nicht verlassen, wenn es stürmt, regnet oder starker Schneefall herrscht. Dieser Kobel ist ein Kugelnest aus Zweigen, ausgepolstert mit getrocknetem Laub und Moos, das sich hoch in einer Astgabel im Kronenbereich befindet. Auch werden gern Quartiere in hohlen Bäumen bezogen. Das Eichkatzl hat mehrere Kobel und bei Bedarf oder Gefahr für die Jungen wird umgezogen.

Die Paarungszeit zieht sich von Februar bis Juli hin. Zweimal im Jahr bringt die Fähe drei bis fünf Junge zur Welt, die nackt und blind geboren werden. 8,5 Gramm ist das Geburtsgewicht. Das Weibchen zieht die Jungen ohne Hilfe des Männchens auf. Mit neun Wochen sind die Jungen bereits selbständig und müssen für sich selbst sorgen.

Eichkatzerl sind Allesfresser. Der Speiseplan richtet sich danach, was die Natur gerade anbietet: Beeren, Knospen, kleine Triebe, Früchte, Hasel- und Walnüsse, aber auch Singvogelgelege und Jungvögel, dazu Obst, Insekten, und vor allem im Winter Fichtenzapfensamen. Am Fraßbild der Zapfen und Nüsse kann man erkennen, wo sich das Eichkatzl gütlich tat. Einmal beobachtete ich ein Eichkatzl, wie es sich früh am Morgen im Wald etwas von einem Fliegenpilz stibitzte. Allem Anschein nach ohne gesundheitliche Folgen.

Das Vorkommen der Eichkatzerl ist in den letzten Jahren gut gewesen. Auch wenn es in den Beständen immer wieder zu Schwankungen kommt, so ist es bei uns nicht gefährdet. Ein Eichkater beansprucht bis zu 50 Hektar Lebensraum, Weibchen dagegen lediglich 10 bis 15.

Das Eichkatzl gehörte früher rechtlich zum Raubzeug (Nesträuber) und konnte im Rahmen des Jagdschutzes erlegt werden. Dieser Unsinn wurde 1980 im Rahmen der Bundesartenschutzverordnung abgeschafft. Für die allermeisten Jäger ist das sicher kein Problem, eher für extreme Vogelschützer oder Förster, die es nicht so gerne sehen, dass die Triebe der Nadelbäume abgebissen werden.

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